Griechenland versucht umzuschulden

Die griechische Regierung hat gegen­wärtig akute Schwierig­keiten, Kredite zurück­zuzahlen. Darin werden die zwei ent­schei­denden Nach­teile der Staats­verschul­dung gegen­über den Schulden der Betriebe und Privat­leute sicht­bar: Das ganze System ist über­haupt nicht auf Til­gung ein­gerichtet! Die Staaten zahlen die Schulden zwar am Ende der verein­barten Lauf­zeit zurück, aber sie nehmen dazu immer ein neues Darlehen auf, sie "schulden um"! Und die Gläu­biger bekom­men keiner­lei verwert­bare Sicher­heiten. Sie müssen darauf vertrauen, dass der Staat am Ende einen neuen Gläubiger findet. Genau dieses Vertrauen haben die Gläubiger Griechen­lands seit dem 10.05.2010 nicht mehr. Das Land kann seitdem seine Schulden nicht mehr vollständig am Kapital­markt "refinan­zieren" (=um­schulden), sondern wird von anderen Staaten zahlungs­fähig gehalten.

Betriebe und Privat­leute nehmen Kredite für be­stimmte Zwecke auf: den Kauf einer Maschine, den Bau eines Hauses. Sie stellen sich darauf ein, den Kredit all­mäh­lich zurück­zuzahlen. Die Bank bekommt die Maschine bzw. das Haus als Sicher­heit und kann diese Vermögens­gegen­stände zur Not ver­steigern. In der Regel ist am Ende die Schuld bezahlt. Staaten dagegen nehmen Darlehen auf, um alte Schulden zu bezahlen, sie planen gar nicht, diese zu tilgen. Sie stellen sich darauf ein, am Ende wiederum einen neuen Geld­geber zu finden. Es ist ein Schulden­karussel ohne Sicher­heiten. Es basiert allein auf Vertrauen, nicht auf verwert­baren Sicher­heiten.

Auf diese Weise sind praktisch alle Staaten von ihren Gläubigern wesent­lich ab­hängiger als Unter­nehmen oder Privat­leute. Das bekommen Regie­rung und Parla­ment in Athen derzeit auf bittere Weise zu spüren. Sie müssen den anderen Euro-Ländern massiven Einfluss auf den grie­chi­schen Staats­haus­halt ein­räumen, um frisches Geld für Um­schul­dungen ge­liehen zu bekommen. Dabei war die Re­gierung Tsipras gerade gewählt worden, um diese aus­län­dische Ein­fluss­nahme zu beenden!

Das deutsche System der Staats­verschuldung ist genauso unseriös wie das grie­chi­sche. Es wird nur nicht ganz so ex­zessiv betrieben.

Stand: 21. Mai 2015