Droht eine massive Inflation?

Fast alle Länder der Euro-Währungs­union sind hoch verschuldet. Sie alle haben das Problem der Anschluss­finanzierung: Woche für Woche werden alte Schulden zur Rück­zahlung fällig, die Staaten haben das Geld nicht, also brauchen sie neue Gläubiger, um die alten zu befrie­digen. Griechen­land, Portugal und Irland finden solchen neuen Gläubiger gar nicht mehr, Italien und Spanien nur noch zu horrenden Zinsen.

Es deutet vieles darauf hin, dass es insbe­sondere für das hoch­verschuldete Italien (31.12.2010: 1.843 Mrd. €) bald nur noch eine Lösung gibt: Die Euro­päische Zentral­bank leiht dem Land Geld.

Die Zentralbank soll eigentlich nur für die Stabi­lität der Währung sorgen. Sie steuert, wie viel Geld im Umlauf ist. Die Finan­zierung der Staats­verschuldung ist bisher nicht ihre Aufgabe. Wenn sie aber Staats­anleihen kauft, gibt sie den Staaten Geld in die Hand, erhöht also die Geld­menge und damit die Inflations­gefahr. Darum war ihr dies bis zum 10.05.2011 verboten.

Es wird darauf ankommen, in welcher Höhe die Zentral­bank das macht. Bisher weniger als 200 Mrd. € sind bei einer Gesamt­geldmenge von 9.400 Mrd. € noch nicht gefährlich.

Bedrohlich ist dagegen der lang­fristige psycho­logische Effekt: Warum sparen und warum riskieren, dass Demonstranten mit Steinen werfen, wenn doch die Zentral­bank frisches Geld gibt?

Der Geist ist aus der Flasche! Eine neue Stufe der Staats­verschuldung ist erreicht. Die Staats­finanzen sind in ersten Mitglied­staaten so zerrüttet, dass nicht mehr aus­reichend Gläubiger gefunden werden. Jetzt hat die Zentral­bank angefangen, die Verschuldung zu finanzieren. Damit geraten sämtliche Ersparnisse der Bürger und Unter­nehmen in Gefahr, sofern sie in Papier­werten stecken.

Man vergleiche die beiden Äußerungen von zwei Profes­soren der Volks­wirtschaft, die sich auf erschreckende Weise ähneln:

Prof. Kromphardt im Sommer 2001: "Die Regierung darf es mit dem Konsoli­dierungs­prozess nicht übertreiben. ... Sie sollte es gelassen hinnehmen, wenn sie in diesem Jahr mehr Schulden aufnimmt als ursprüng­lich geplant. Am Ziel, im Jahr 2006 einen ausge­glichenen Haushalt vorzu­legen, würde sich dadurch nichts ändern."

Und Prof. Dullien im November 2011: "Was aber passiert, wenn es der EZB gelingt, die Lage zu stabili­sieren und der Aufschwung wieder einsetzt? Droht dann die Hyper­inflation? Sicher nicht. Denn dann bleibt immer noch Zeit, die Anleihen wieder zu verkaufen und die Geld­menge zurück­zufahren."

Das ist genau das Denkmuster, das uns in Not gebracht hat! Was beide über­sehen: Die Politiker und die Bürger, alle gewöhnen sich an diesen bequemen Weg und hoffen darauf, dass es in paar Jahren besser wird. Die Erfahrung der vergan­genen 50 Jahre zeigt jedoch: Es wird nicht besser. Es wird immer schlimmer!


Stand: 18. November 2011