Eurostat veröffentlicht Zahlen für 2009

Das Statistische Amt der Europä­ischen Union hat heute die Zahlen für 2009 zur Verschuldung der Mitglied­staaten bekannt­gemacht (Quelle 23). In diesem Jahr sind die Zahlen von besonderer Bedeutung, weil sie zum ersten Mal die Auswirkungen der Finanz­krise auf die öffent­lichen Haushalte zeigen. Für alle Länder der Europä­ischen Union zusammen­genommen nennt Eurostat folgende Zahlen (jeweils gemessen am Brutto­inlandsprodukt):

Das Defizit des Jahres 2009 betrug 6,3%. Die Gesamt­verschuldung ist innerhalb eines Jahres von 61,6 auf 73,6% gestiegen.

Das höchste Defizit hat Irland erzielt (14,3%). Die Gesamt­verschuldung ist am höchsten in Italien (115,8%).

Wie befürchtet sind das extrem hohe Werte. Es scheint zwar gelungen, eine Wieder­holung der Welt­wirtschafts­krise von 1929 zu verhindern. Dafür ist aber ein hoher Preis gezahlt worden: Der sprung­hafte Anstieg der Gesam­tverschuldung auf 73,6% ist erschreckend!

Die Dämme, die bei Einführung des Euro errichtet wurden, scheinen gebrochen: Von den 16 Ländern der Euro-Zone haben jetzt neun eine Gesamt­verschuldung von über 60% und 14 ein Defizit von über 3%. Das vorgeschriebene Sanktions­verfahren bei übermäßigem Defizit wird nur noch gegen die ärgsten Sünder eingeleitet. Es erscheint fraglich, ob der Euro als gemeinsame Währung lang­fristig weiter bestehen kann, wenn keine effektiven Sanktionen eingeführt werden.

Bemerkenswert ist aber, dass gerade durch die Finanz­krise viele Menschen auf das Problem der Staats­verschuldung aufmerksam geworden sind. Noch vor 10 Jahren beschäftigte es im wesentlichen die Fachleute. Heute ist es in aller Munde; über die Schwierig­keiten insbeson­dere Griechen­lands wird in den Medien breit berichtet.

Stand: 22. April 2010